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Was ist Demenz?

Mittleres Demenz-Stadium

Die Krankheitszeichen des frühen Stadiums nehmen allmählich zu und erreichen einen Grad, bei dem die selbständige Lebensführung schwierig wird. Die Betroffenen brauchen zunehmend Hilfe und Anleitung bei einfachen Aufgaben des täglichen Lebens, etwa beim Einkaufen, beim Zubereiten von Mahlzeiten, bei der Körperhygiene.

Im mittleren Stadium haben Menschen mit Demenz immer weniger Krankheitseinsicht. Manche halten sich selbst für gesunde junge Erwachsene. Sie wollen zur Arbeit gehen oder halten die Ehepartnerin für eine „Frau, die ich nicht kenne“.

Neben dem Neugedächtnis ist auch das Altgedächtnis stark beeinträchtigt. Die Betroffenen erinnern sich oft nicht mehr an ihre Freunde oder ihren Beruf.

Kennzeichen des mittleren Krankheitsstadiums sind:

Zunehmende Störungen der Sprache

Den Erkrankten fällt es schwer, sich verständlich auszudrücken oder Wörter und Sätze zu verstehen. Das erschwert die Verständigung zwischen Erkrankten und Pflegenden sehr. Darum wird der körperliche Kontakt, werden Mimik und Gestik in der Kommunikation immer wichtiger.

Zunehmende örtliche Orientierungsschwierigkeiten

In der mittleren Phase der Krankheit kann es passieren, dass die eigene Wohnung nicht mehr erkannt wird. Im weiteren Verlauf ist es möglich, dass sich Betroffene in der eigenen Wohnung verirren und zum Beispiel das Schlafzimmer nicht mehr finden.

Zunehmende zeitliche Orientierungsschwierigkeiten

Bereits im frühen Stadium der Erkrankung wurde die Orientierung hinsichtlich Uhrzeit und Datum schwierig. Im mittleren Stadium gilt das auch für die Jahreszeiten. Die Bedeutung von Zeigern und Zahlen am Ziffernblatt einer Uhr kann oft nicht mehr entschlüsselt werden. Ein läutender Wecker verursacht Stress.

Zunehmende Schwierigkeiten mit Lesen und Schreiben

Für viele Menschen mit Demenz wird es immer schwieriger, Texte zu entziffern und zu schreiben.

Zunehmende Verhaltensänderungen

Veränderungen des Verhaltens können auftreten, wie Unruhe oder Aggression. Die Unruhe äußert sich oft in Form eines „Wandertriebes“ oder anderen Störungen.

Inkontinenz

Schwierigkeiten mit der Kontrolle der Blase können auftreten.

Alltägliche Abläufe werden zum Problem

Tätigkeiten des alltäglichen Lebens werden immer häufiger zu unüberwindbaren Hürden. Mitunter verlernen die Betroffenen, die Toilette rechtzeitig aufzusuchen, wissen nicht, wo die Toilette ist oder was man dort tut. Technische Geräte werden zum Rätsel. Abhängig von Biografe und Prägung können Betroffene das Interesse an Sauberkeit und gepflegtem Aussehen verlieren. Oft sind sie der Meinung, sich bereits gewaschen zu haben. Häufig ist ihnen nicht bewusst, dass sie Hilfe benötigen.

Orientierungsstörungen

Alltagssituationen können nicht mehr richtig eingeschätzt werden. Betroffene können sich plötzlich nicht mehr situationsangemessen verhalten. Tischmanieren und Benimmregeln werden vergessen.

Persönliche Desorientierung

Das Wissen um die eigene Identität geht nach und nach verloren. Beispielsweise werden Name, Geburtstage und wichtige Lebensdaten sowie Anzahl der eigenen Kinder, ausgeübter Beruf etc. vergessen.

Wahnhafte Gedanken und Sinnestäuschungen

Im mittleren Stadium der Erkrankung können Wahnvorstellungen und Halluzinationen auftreten. Die Betroffenen sehen Menschen, die nicht anwesend sind, oder hören Stimmen und Geräusche. Dies kann Angst verursachen und führt manchmal zu verzweifelten Versuchen, sich zu schützen und zu wehren. Manchmal werden Fernsehbilder kommentiert: „Was machen diese Leute in meinem Zimmer?“ Oder einschneidende lebensgeschichtliche Ereignisse wie Kriegserlebnisse oder Unfälle werden plötzlich wieder erlebt.

Eine pflegende Tochter berichtet: „Zum Glück habe ich einmal mit einer Freundin gesprochen, die auch ihre Mutter bis zum Tode betreut hat. Diese Mutter sah immer wieder Männer, die in ihrem Zimmer gesessen sind und getrunken haben. Und wenn dann die Tochter sagte, ‚Mutter, da ist doch keiner‘, hieß es, ‚du steckst mit denen unter einer Decke.‘ Dann hat meine Freundin einfach gesagt: ‚Hans, Karl, ihr geht jetzt.‘ Dann war sie beruhigt. Und so hab ich dann auch immer versucht, auf sie einzugehen.“

Veränderungen in der Partnerschaft

Eine Demenzerkrankung kann auch die Beziehung zwischen Ehe- bzw. Lebenspartnern stark verändern. Viele Paare haben nach wie vor eine sexuelle Beziehung. Manchmal ist das sexuelle Verlangen deutlich gesteigert. Sexualität kann eine Ebene sein, auf der die PartnerInnen sich nach wie vor gut verstehen und ihre Zusammengehörigkeit körperlich und emotional erleben. Sexualität kann aber auch zu einer Belastung werden, wenn sich die Persönlichkeit des Betroffenen stark verändert hat.

Umarmungen, Küsse oder Streicheln können wichtiger sein als Geschlechtsverkehr. Betroffene können ihre Empfindungen oft nicht mehr in Worte fassen. Körperliche Zuwendung ist oft die einzige Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. In sexuellem Verlangen kann auch der Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und Angenommensein verborgen sein.

Das Wichtigste in Kürze

Im mittleren Stadium von Demenzkrankheiten verstärken sich die Symptome, die zu Beginn der Krankheit auftreten. Die Belastung für pflegende Angehörige wird größer, da Betroffene sich immer weniger im Alltag zurecht finden.